Esther Hiepler – Produkte & Prozesse

(….) Auffallend ist zunächst, dass Esther Hiepler nicht nur auf Papier oder auf die Wand zeichnet, sondern den klassischen Zeichenraum auslotet und erweitert; Fotografien, welche Arbeitsprozesse dokumentieren, hängen neben Aquarellzeichnungen und setzen eine Spur aus der Vergangenheit neben eine der unmittelbaren Präsenz des Originals. (…)

(…) Fotografie verbindet sich in der Rauminstallation aber auch mit Objekten und Produkten, welche zeitliche Abläufe und Arbeitsprozesse verdichtet darstellen; es handelt sich um End- und Restprodukte der Herstellung von Essenzen und Destillaten. Löwenzahnhonig und Löwenzahnlikör stehen neben ausgepressten Blütenkugeln, das vermeintlich Wesentliche neben dem Übriggebliebenen oder dem Negativ. So ist es eine Verschiebung und Erweiterung des Fokus’ von der Mitte an den Rand oder aber ein Zurückbuchstabieren der Abstraktion. Die Frage ist nämlich hier nicht nur, „was kann man weglassen?” sondern ebenso: „was war der Rest?”

Materialien und ihr Wesen, ihre Transformierbarkeit und der Versuch, sie in einem zeitlichen Ablauf und einem Ende gleichzeitig zu begreifen, ist eine andere Annäherung an die in der Zeichnung abstrakt vorhandenen Elemente „Linie“ und „Punkt“, die als symbolische Zeichen für „Fliessen“ und „Stillstehen“ begriffen werden können. (…)

Ausschnitt aus einem Text von Kathrin Dunst, 2012